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Life in a Northern Town

Das Bild stammt aus La Coruña, galizische Küste in Spanien, es ist Jahre her, daß ich dort tauchen war mit den Angestellten eines Algenverschickers, aber nun kommt es mir mit einem Mal so vor, als ob es dieses Buch damals schon gegeben haben könnte. Dabei war das bloß ich (den es damals schon gab). Ich habe so etwas tatsächlich (oder wirklich) nur ein paar Mal gehabt (und das ist vermutlich der Grund, weswegen ich weiterhin Bücher kaufe und durchlese): daß ich beim Lesen dieses Gefühl eines inneren Nickens bekomme, das mir einen wohltuenden Gänseschauer entlang des Rückenmarks schickt. Bei den…

In der Einrichtung

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Ich habe da so ein Trauma. Immer wenn ich das Wort „Einrichtung“ höre, zucke ich zusammen. Ob Pflegeheim, Beratungsstelle, Kindergarten oder Drogentreff – im Sozialtherapeuten-Sprech sind das alles „Einrichtungen“. Auch der Ort, wo Natalie und Alexander Dorm aufeinandertreffen, ist so eine Einrichtung. Dort arbeiten Menschen, die nach BAT bezahlt werden, sich mit Übertragung und Gegenübertragung, Handlungskompetenzen und –konsequenzen auskennen. Die wischen dir den Arsch ab und karren dich dann zu ihren integrativen Gruppenangeboten. Mein Trauma rührt aus einer gescheiterten Beziehung voller Grenzüberschreitungen und nicht angenommener Angebote. Meine Ex-Frau leitete zwei Einrichtungen auf zwei halben Stellen. Zusammen haben wir es zu…

Reihenfolge geändert

Guido Graf schreibt über die laufende Neusortierung unserer Lese- und Schreibprozesse. In der Literaturwissenschaft greift man da gerne auf Rüdiger Campes Begriff der ‚Schreibszene‘ zurück. Jeder Akt der Niederschrift ist demnach als eine spezifische Verbindung von Sprache, Schreibwerkzeugen und körperlichen Gesten begreifbar. Es gibt bestimmte Stimulanzien, die diesen Reigen befeuern mögen, vor allem aber gibt es dabei auch vielfältige Widerstände, die zu überwinden sind. Wer heute zu viel bei Facebook unterwegs ist, schreibt vielleicht keinen tausendseitigen Roman mehr fertig. Und erst Recht keine Habilitation. Beim ‚Social Reading‘ kommt zu dieser ‚Schreibszene‘ nun auch noch eine ‚Leseszene‘ hinzu. Alle lesen hier…

Aufmerksamkeitsbedürfnis beim Social Reading

Die kleinen Brüder von Trollen haben sich bereits vor 15 Jahren einen Spaß daraus gemacht auf den einschlägigen Seiten die lustige Bilder mit Text, wie Memes damals noch namenlos hießen, feilboten, Erster in die Kommentare zu posten. Eine Diskussionen dürfte im RL von solchen Aussagen selten angestoßen worden sein, doch hier begann sofort ein reger Austausch über die Dummheit des Kommentators und den Überfluss an solchen Nullaussagen. Ohne Anstrengung, vom Aktualiseren des Browserfensters abgesehen, konnte man so sehr schnell im Mittelpunkt stehen und bereits beim nächsten Meme hat ein anderes Mitglied die Chance sich in diesen zu begeben. Die Community…

Ich habe ein freiwilliges asoziales (Lese-)Jahr gemacht. Mehrere, um genau zu sein.

Wie absurd das ist, hier zu schreiben als jemand, der fest an eine holzfreie Zukunft des Lesens glaubt und gleichzeitig das digitale (Genuss-)Lesen immer vermieden hat. Zu besprechende Bücher, Arbeitsbücher also lese ich auf dem Bildschirm – jedenfalls die, die ich nicht leiden kann. Aber was mir nah geht, dem will ich auch nah sein (oder mir Nähe wenigstens erfolgreich einreden können). Was man liebt, will man anfassen. Die ersten Seiten heute morgen in alter Routine auf Papier gelesen, mit Bleistift an den Rand gekritzelt: Ideen, Wortspiele, kleine Freudenausbrüche – und dann fiel mir ein, dass das jetzt nicht drin ist.…

Was soll das sein, Social Reading?

Buchtrailer Pin

14. September 2015, die Gruppe hat mit dem Lesen begonnen. Das Buch liegt vor mir auf dem Bett wie ein Quader dunkler Materie, unendlich dicht, unendlich schwer. Wussten Sie, dass die menschliche Lunge dermaßen filigran zusammengefaltet ist, dass sie sich zu mehreren Fußballfeldern auswalzen ließe? Ich stelle mir vor, wie wir in die unüberschaubare Landschaft dieses Buches hineinlaufen. Wie unsere Rufe die Täler erfüllen. Wie wir überall kleine Pionierfähnchen einpflanzen, Tiere erlegen, Lager aufschlagen. Die Ziele unserer Mission verborgen im fog of war. Was soll das sein, Social Reading, was soll das werden? Ich will darüber Reisetagebuch führen. Wer waren…

Wohnheimgedanken

Man müsste sich vielleicht einmal beschäftigen mit den Grundsätzlichkeiten eines längeren Aufenthalts in Wohnheimen. Schon der Klang des Begriffs „Wohnheim“ ist sehr aussagekräftig. Obwohl die Morpheme „Wohn“ und „heim“ beide einen eher positiven Sound des Zuhause mitbringen, ist ihre Kombination ab Werk eine Art Zumutung. Zweimal plus ergibt minus, auf eine literarische Art, nirgendwo fühlte man sich weniger nach „Wohnen“ und „heimelig“ als in einem Wohnheim. Das Wohnheim hat die Zeit des Übergangs bereits in seinen Namen eingebrannt, es ist ein verdammtes Provisorium, und dazu noch eines, in dem man immer nur den Status des Geduldeten hat. Denn das „Wohnheim“ hat…