Beitrag vonSophie Weigand

Der Roman als Mindmap

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Foto: Niels van Dijk on Flickr Literatur ist eigentlich fast immer die Mindmap eines anderen. Und Mindmap ist hier durchaus nicht im Sinne einer Strategie zu verstehen, ungeordneten Gedankengängen zu einer Struktur zu verhelfen. Sondern im Gegenteil: individuelles Chaos so abzubilden wie es ist, mit all seinen Querverbindungen und persönlichen Assoziationen. Bis zu einem gewissen Grad leistet jedes Buch die Kartographie einer ganz bestimmten Denkweise. „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ aber ist in Detailliebe und Unbarmherzigkeit schwer zu übertrumpfen. Hier werden nicht nur einzelne Inseln und Fixpunkte einer Wahrnehmung skizziert, sondern erbarmungslos sämtliche Register gezogen – Geheimhaltung, Raum für…

Setzgespräche

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Wenn alles jetzt ist, ist jetzt für immer. Die ersten zweihundert Seiten „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ habe ich hinter mich gebracht. Eine permanente Kollision, eine ständige Verflechtung von Vorstellungs – und Außenwelt. Betreuerin Natalie ist so faszinierend wie sie neurotisch und manchmal abstoßend ist, ihre Vorstellungen und Gedanken durchziehen die Geschichte. Sie bilden die Bewusstseinsbasis, auf der alles andere stattfindet. In diesem Roman verschwimmen Grenzen an ganz verschiedenen Stellen, geraten Selbstverständlichkeiten ganz selbstverständlich aus dem Gleichgewicht. Normalität und Wahnsinn, Liebe und Besessenheit, Vereinzelung und ständige Beanspruchung durch moderne Medien, Transparenz und Privatsphäre. Er ist nicht nur ein literarisches…