Beitrag vonSascha Lobo

Kommunikation als Rache

Clemens Setz kenne ich zum einen aus Klagenfurt, wo man ihn erwarten würde. Zum anderen aber kenne ich ihn von Facebook, wo man ihn zwar auch erwarten würde – aber doch nicht so! Bis er Mitte Juni schrieb, man habe ihm eine Facebook-Pause verordnet („Völlig zu Recht“), war sein persönliches Profil das eines im zweitbesten Sinne Besessenen. Im besten Sinn besessen ist man, wenn das eigene Leben vollständig darin aufgeht, nur hat man dann halt keines mehr. So wie Clemens Setz facebook-seitig im zweitbesten Sinn besessen ist man, wenn man die Pose des Besessenseins so sensationell gut beherrscht, dass man…

Wohnheimgedanken

Man müsste sich vielleicht einmal beschäftigen mit den Grundsätzlichkeiten eines längeren Aufenthalts in Wohnheimen. Schon der Klang des Begriffs „Wohnheim“ ist sehr aussagekräftig. Obwohl die Morpheme „Wohn“ und „heim“ beide einen eher positiven Sound des Zuhause mitbringen, ist ihre Kombination ab Werk eine Art Zumutung. Zweimal plus ergibt minus, auf eine literarische Art, nirgendwo fühlte man sich weniger nach „Wohnen“ und „heimelig“ als in einem Wohnheim. Das Wohnheim hat die Zeit des Übergangs bereits in seinen Namen eingebrannt, es ist ein verdammtes Provisorium, und dazu noch eines, in dem man immer nur den Status des Geduldeten hat. Denn das „Wohnheim“ hat…

Anderer Livechat

katze_clemens_setz

Wo man nämlich auch anonym drin chatten kann, also ohne Anmeldung. Was von enormem Vorteil wäre, der sehr viel größeren Beteiligung wegen. Für diejenigen, die sich dann Sorgen machen – die sind unberechtigt, der Anonymität zum Trotz gibt es nämlich eine Reihe spezifischer Moderationsinstrumente. Aber nun – ohne weiteres oder viel mehr fast ohne weiteres Ausholen direkt zum Chat.

Es beginnt irgendwie ja doch mit Facebook

facebook-verbindungen

  Es mag unangenehm erscheinen, aber Facebook ist – derzeit – der soziale Beginn von allem. Wenn man „sozial“ in diesem Kontext als „social“ begreift und damit meint, dass alles und jedes besprochen, diskutiert, vergesprächsanlasst wird. Auf Facebook beginnt es also, und Clemens Setz ist eine Art Facebook-Künstler, was sich aus der Perspektive des klassischen Feuilleton etwas weniger großartig anhören mag, als es in der konkreten Umsetzung ist.