Beitrag vonDana Buchzik

Pulling the trigger

Letzte Teamsitzung. Ich greif mir die Eistüte und sage: Die vielen Kanäle haben uns ausgeknockt, baby. Sobooks, Twitter, Blog, Facebook – jeder lässt irgendwo ein paar Sätze fallen, manchmal keimt Diskussioniges auf, aber am Ende fühlt es sich doch eher nach Einzelmission an, nach sozialem Leseirrgarten, wo Begegnung Seltenheit ist. Ich fass mir da gern an die eigene Nase: Wer das Buch entgegen aller guten Vorsätze zuerst in einsamer Stube durchstaunt, um im Nachklapp dann ausgewählte Kommentare in die Sobooks-Flure hineinzurufen, ist nicht gerade Vorzeigekind unter Social Readern. Social Reading, wie ich es mir vorstelle: Sich von anderen an großartige Stellen im…

Du darfst ausflippen, baby, aber du musst pünktlich sein.

Zwischenerkenntnis: Social Reading braucht Echtzeit. Gemeinsame Echtzeit. Ich will mich mit euch verabreden, wie zu guten alten Buchclubzeiten. Und dann bitte: Polyphonie. Ich will auf LOS! mit euch durch dieses Buch stürmen und ein gemeinsames Feuerwerk auf der Metaebene zünden. Welche Figur überzeugt und warum, welcher Handlungsstrang braucht mehr Fleisch, welche darlings müssen gekillt und welche noch geboren werden? Schnell, unverstellt, ohne Höflichkeitsfilter, ohne eng ums Ego geschraubte Worthülsen, die nur zu gern intellektuell schmecken wollen. Ich will mit dem Lesen der Kommentare nicht nachkommen und es trotzdem versuchen. Lesen und schreiben, bis alle Risiken und Nebenwirkungen des Romans mindestens einmal in Kopf und Körper aufgepoppt sind. Eine…

Ich habe ein freiwilliges asoziales (Lese-)Jahr gemacht. Mehrere, um genau zu sein.

Wie absurd das ist, hier zu schreiben als jemand, der fest an eine holzfreie Zukunft des Lesens glaubt und gleichzeitig das digitale (Genuss-)Lesen immer vermieden hat. Zu besprechende Bücher, Arbeitsbücher also lese ich auf dem Bildschirm – jedenfalls die, die ich nicht leiden kann. Aber was mir nah geht, dem will ich auch nah sein (oder mir Nähe wenigstens erfolgreich einreden können). Was man liebt, will man anfassen. Die ersten Seiten heute morgen in alter Routine auf Papier gelesen, mit Bleistift an den Rand gekritzelt: Ideen, Wortspiele, kleine Freudenausbrüche – und dann fiel mir ein, dass das jetzt nicht drin ist.…