Letzte Teamsitzung. Ich greif mir die Eistüte und sage: Die vielen Kanäle haben uns ausgeknockt, baby. Sobooks, Twitter, Blog, Facebook – jeder lässt irgendwo ein paar Sätze fallen, manchmal keimt Diskussioniges auf, aber am Ende fühlt es sich doch eher nach Einzelmission an, nach sozialem Leseirrgarten, wo Begegnung Seltenheit ist. Ich fass mir da gern an die eigene Nase: Wer das Buch entgegen aller guten Vorsätze zuerst in einsamer Stube durchstaunt, um im Nachklapp dann ausgewählte Kommentare in die Sobooks-Flure hineinzurufen, ist nicht gerade Vorzeigekind unter Social Readern.

Social Reading, wie ich es mir vorstelle: Sich von anderen an großartige Stellen im Buch zerren zu lassen, die ich vielleicht übersehen habe, oder über die ich gern erneut staunen will; diesmal polyphon. Setz zählt für mich zu den leuchtendsten Stimmen der Gegenwart, seine Bücher sind Zufluchtsort in einem Dschungel von Neuerscheinungen, die mich oft in die Verzweiflung treiben. Literarische Zufluchtsorte aber tapezier ich mir gern in Konsensfarben, und beim Blick in die Sobook’schen Kommentarflure hatte ich oft das Gefühl, im falschen Buch zu sein. Lob der Langsamkeit, Lob der Ereignislosigkeit; die Protagonistin als kindliches Opferzaubermädchen – das greift vorbei an eigentlich allem, was mich an diesem Roman begeistert hat. Die maximale Fremdheit, die hier beinahe jedem Detail des menschlichen (Zusammen-)Lebens injiziert wird. Die Poesie und die Putzigkeiten, die trotzdem und gerade deswegen Platz finden. Die Binnenerzählungen, die direkt in den Magen greifen (Früher wurde mit dir bezahlt). Und vor allem: die Verschaltung von Täter und Opfer. Die Entscheidung, sich noch kränker zu machen (oder zu geben), als der Aggressor je sein könnte. Sich mit Krankheit zu rüsten, um einen anderen in die Schwäche zu zwingen.

Schnitt.

Was bleibt? Das sporadische Aufflammen gemeinsamer Freude. Gemeinsames Genießen und Schwelgen in Setzbrillanz, wegen der wir uns ja überhaupt hier versammelt haben. Und die Gewissheit, bis auf Weiteres asozialer Leser zu bleiben. Ich betätige den Abzug; schieße die Schaumstoffkugel ins Desktopblau.