Die Stunde zwischen Frau und Gitarre ist voller Ohrwürmer, die man tausend Seiten lang nicht loswird. Ich habe die drei schönsten mit der Volltextsuche eingefangen.

#1

 

#2

 

#3

Ihr fiel ein, dass ihre Mutter einmal an einem Abend weggegangen war, weil ein Hund in der Nachbarschaft Lärm machte.– Da bellt irgendwo ein Hund, hatte sie gesagt, ich werde nachschauen, wo das ist.Natalie und Karl waren in ein Spiel vertieft, etwas Bodennahes. Ihre Mutter stand da in ihrem Mantel – war es ein Regenmantel gewesen? Es ergab keinen Sinn. Weshalb war sie weggegangen? Weil der Hund bellte.
– Da bellt irgendwo die ganze Zeit ein Hund, hatte ihre Mutter gesagt, jeden Abend.
– Die gehen vielleicht spazieren mit ihm, sagte Karl.
Merkwürdig, sie hatte vergessen, wie er als Kind geklungen hatte. In ihrer Vorstellung hatte ihr Bruder immer nur seine Erwachsenenstimme. Ich sollte ihn anrufen. Sie machte das Fenster zu. Es wurde schnell kalt im Zimmer.
– Nein, sagte ihre Mutter. Der hat Angst. Das hört man.
Und dann war sie losgegangen, um nachzuschauen. Genau, es war an Weihnachten gewesen! Am Weihnachtsabend. Sie war lang draußen geblieben. Karl und Natalie spielten zuerst weiter, dann stellten sie sich vor der Tür auf. Wenig später rief einer von ihnen die Zeitansage an, es war eine Gratisnummer, also erlaubt, und sie lauschten zuerst abwechselnd am Hörer, dann gemeinsam, Kopf an Kopf.Nach einer Stunde kam die Mutter zurück. Draußen war es schon vollkommen dunkel. Weihnachtsbeleuchtung überall, aber vorstädtisch spärlich. Auf ihrem Mantel frische Schneeflocken, die schnell schmolzen.
– Er hat aufgehört, sagte sie. Ich hab ihn nicht entdeckt. Er hört immer auf. Ich bin gegangen und habe gedacht: Zeig dich mir, ich bin ein Freund. Aber er hat sich nicht mehr gemeldet. Er muss wirklich fürchterliche Angst haben.
Später, im Bad beim Zähneputzen, kam die Mutter herein und stellte sich hinter ihnen auf:
– Ist das nicht schlimm, fragte sie, wenn man solche Angst hat, dass man sich nicht einmal mehr einem Freund offenbaren kann? Er wird schlecht behandelt. Das spüre ich.