Jan Drees, geboren 1979, berichtet für Radio (Bayern 2, Deutschlandradio Kultur), Zeitungen (Der Freitag), Magazine (Rolling Stone) über Literatur und Gesellschaft. Er verantwortet den Blog Lesen mit Links. Zu den zahlreichen Veröffentlichungen zählen zwei Romane („Letzte Tage, jetzt“, „Staring at the Sun“ bei Eichborn) und „Kassettendeck – Soundtrack einer Generation“ (Eichborn), sowie „Rainald Goetz – Irre als System“ (Arco). Er ist Stipendiat der „Graduate School Practices of Literature in Münster“ und nutzt seine Nächte für die Arbeit an einer systemtheoretischen Dissertation über den Novellenautor Hartmut Lange. Im Herbst 2015 erscheinen seine Erzählungen „Klagenfurt“ (Literatur Quickie) und „Lanzarote“ (Sukkultur) und der Essay „Programm ist Programm“ in der Anthologie „Die Philosophie des Laufens“ (Mairisch).

Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen?

Immer mit dem Autor, um ihn zu befragen, so wie es historisch-kritische Ausgaben versuchen, Informationen über den Autor und seine Hintergründe mitzuliefern. Das ist möglicherweise „old school“, aber befriedigt die Neugierde doch am vornehmsten.

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Gern an einem Wochenende, close reading, vielleicht brauchen wir auch eine komplette Woche, irgendwo fern, ohne Möglichkeit, zu googeln.

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Am liebsten freilich den „Tristan“ (mit Autor) oder den „Zauberberg“ (mit Autor).

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Mit der verschollenen „Komödie“ von Aristoteles.

Mit wem reden Sie sonst über das, was Sie lesen? Wann und wie oft und in welcher Form?

Ich spreche im Blog LesenMitLinks mit mir selbst und mit meinen Lesern, ich spreche mit Freunden, belesenen wie unbelesenen, ich frage Fremde immer, was sie gerade lesen und bin neugierig über literarische Einschätzungen, egal aus welcher Richtung sie kommen. Manchmal spreche ich lesende Menschen in der Bahn an.

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Zuletzt ging es mit einer lieben Freundin um Fallada, die sie im Herbst stets liest, obwohl ihr oft geraten wurde, mit „Harry Potter“ anzufangen, dann sei sie vor Ende des Jahres durch. Auf Harry Potter kamen wir, weil die Bände in meinem Regal stehen, oft fangen so die schönsten Literaturgespräche bei mir daheim an: Man steht gemeinsam vor dem Regal und einer zieht ein Buch heraus und dann liest man eine Stelle oder sagt nur: „Hier, Silberschnitt, Andere Bibliothek, sehr, sehr geil.“

Lesen Sie mit dem Stift in der Hand, haben Sie Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twittern Sie gleich, was Ihnen bei der Lektüre einfällt?

Ich habe einen Zettelkasten, genauer 15 Zettelkästen mit nummerierten Karteikarten, Ordner und gebundene Recherchehefte, Klebezettel, um interessante Stellen zu markieren und später abzuschreiben, Lesestapel und eine „Präsenzbibliothek“ mit den geordneten Büchern für verschiedene Projekte – und Google. Lesen ist immer „Lesen mit Links“. Aber twittern? Nein, das mache ich dann doch nicht. Manchmal aber vor Wut bei Facebook schimpfen.

Lesen Sie die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer?

Selbstverständlich.

Warum wollten Sie Clemens Setz lesen?

Weil Clemens Setz neben Peter Glaser der amüsanteste Facebook-Autorenkontakt auf meiner Timeline ist.

Sie haben drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

1. Ich möchte ein intuitiv führendes Dokument haben

2. Ich möchte klassisch im Buch lesen und das soll WiFi-fähig sein

3. Ich würde gern mit allen Mitlesern irgendwann an ein Bier trinken