Beitrag geschrieben amNovember 2015

Silberschnitt mit Links: Jan Drees

Jan Drees, geboren 1979, berichtet für Radio (Bayern 2, Deutschlandradio Kultur), Zeitungen (Der Freitag), Magazine (Rolling Stone) über Literatur und Gesellschaft. Er verantwortet den Blog Lesen mit Links. Zu den zahlreichen Veröffentlichungen zählen zwei Romane („Letzte Tage, jetzt“, „Staring at the Sun“ bei Eichborn) und „Kassettendeck – Soundtrack einer Generation“ (Eichborn), sowie „Rainald Goetz – Irre als System“ (Arco). Er ist Stipendiat der „Graduate School Practices of Literature in Münster“ und nutzt seine Nächte für die Arbeit an einer systemtheoretischen Dissertation über den Novellenautor Hartmut Lange. Im Herbst 2015 erscheinen seine Erzählungen „Klagenfurt“ (Literatur Quickie) und „Lanzarote“ (Sukkultur) und der…

Das Kind

(license)

Jan Drees und Guido Graf Kinder wie Bäume, wie kleine Bäume, also Bonsais (das sind natürlich keine „Kinder“, also keine Baumkinder, sie sind nur kleiner als andere Bäume; aber eben so wie die einstige Vorstellung vom Homunculus auch ein Menschen- oder Kinderbild bei Clemens Setz sein könnte), die mit Menschen und anderen Pflanzen kommunizieren können: Was ist das für ein Unterfangen? Ich krümme mich zurück in die selbstgebastelte Welt? Die Pflanzen sollen (sollen! Tatsächlich SIND sie es natürlich nie) lebendiger erscheinen, so der japanische Forscher Furi Sawaki. Das weht heran, unwillkürlich scheinbar. Und ist doch zugleich immer schon da, weil…

Autorenstalking. Gespräch über Literatur und Schreiben Teil 3

KW: Sie schreiben doch auch an einem Essayband. CS: Ja, ich habe zumindest viele Essays geschrieben. Das Schönste ist, wenn man über Dinge schreibt, von denen man verzaubert ist, die aber nur wenige Leute kennen. Ich habe eine Idee für einen Essayband, der ein übergreifendes Thema hat. Mein Thema wären Zeitkapseln, Dinge, die verbuddelt und wieder ausgegraben werden, Räume, die versiegelt werden. Viele meiner Essays haben so eine Zeitkapseldimension. Es sind eigentlich kaum welche veröffentlicht. Im Internet gibt’s Zeitkapseln und verschiedene Projekte dazu. Meine Lieblingsautoren haben häufig etwas Essayistisches oder sind selbst große Essayisten. Oder manche Autoren schreiben nur einmal…

Anziehen, fesseln, aufstoßen: Jochen Kienbaum

Jochen Kienbaum, geboren 1962, Studium der Theaterwissenschaften, der Neueren Deutsche Literaturwissenschaften und der Kunstgeschichte in Erlangen, während des Studiums »Pionierarbeit« im Privaten Rundfunk Bayerns, seit 1990 tätig als TV-Newsreporter in Berlin, Leipzig und London, seit 1994 Reporter und Nachrichtenredakteur bei der Berliner Abendschau des rbb (vormals SFB). Buchbesessen seit Kindesbeinen, Bücherfresser auf der Borderline zwischen bibliophil & biblioman, betreibt seit vielen Jahren (mit schwankender Regelmäßigkeit und Aktivität) den Literaturblog Lustauflesen.de. Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen? Mit Marcel Reich-Ranicki, aber das geht ja leider nicht mehr. Denis Scheck wäre eine Alternative, ich mag seine dralle, pralle Art. Keinesfalls…

Autorenstalking. Gespräch über Literatur und Schreiben Teil 2

KW: Für Sie wäre so ein Internettagebuch nichts? CS: Das weiß man nicht. Ich kann nicht sagen, was ich tue, wenn das Leben zu Ende geht. Ich habe schon einmal gedacht, ich wäre schwer krank. Es war der Fehler eines Arztes, der zwei Werte vertauscht hat. Es war Gott sei Dank nicht so. [Blickt aus dem Fenster:] Ich sehe gerade ein Tandem; schön … Sie haben doch auch eines. Ja. Graz hat den Vorteil, dass es viele Radwege gibt. [Erschrocken:] Ist das jetzt schon ein Interview? Alles, was Sie sagen, wird eingebaut. Darf ich noch einmal fragen, wie Ihre Arbeitsorganisation…

Sorry, aber mir war es zu lang

Er stand auf der Longlist des deutschen Buchpreises, aber gewonnen hat er einen anderen Preis. Vor ein paar Tagen hat Clemens Setz den mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm-Raabe-Preis für „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ bekommen. Die Jury meinte: Setz entwirft in seinem Roman mit großem Sprachwitz einen Thriller, mit zahllosen Bezügen zur Hoch- als auch Populärkultur“. Aha, dachte ich mir – das war also ein Thriller. Habe ich gar nicht mitbekommen. Ich muss dann wohl an den spannenden Stellen kurzfristig eingenickt sein und habe dabei anscheinend auch den großen Sprachwitz gleich mit verschlafen. Ich gebe ja zu, dass ich…

Lesen mit Setzpausen: Thomas Hummitzsch

Thomas Hummitzsch, geboren 1979, Studium der Germanistik, Politik, Soziologie, Geschichte in München, Berlin und Paris, seit 2007 freier Kritiker Literatur, Sachbuch, Comic, Film (SZ, Rolling Stone, taz, Freitag, Tagesspiegel, Die Welt, Jüdische Allgemeine, Kulturaustausch, Gazette, Alfonz), 2013 Gründung des eigenen Blogs Intellectures. Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen? Ich würde mal wahnsinnig gern ein Buch mit Roberto Bolaño und seinen Übersetzern Heinrich von Berenberg und Christian Hansen lesen. Am liebsten »Die wilden Detektive«, um mit ihnen dem Tohuwabohu des viszeralen Realismus nachzugehen. Es würde mir dabei gar nicht mal um das Entschlüsseln der unzähligen Querverweise zur lateinamerikanischen Literatur…

Der Clemens-Setz-Referenzencheck (2)

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Weiter geht’s: Teil zwei des Referenzchecks, von Seite 100 bis 300 der Druckausgabe: Es gehört zu Clemens J. Setz‘ schrägem Humor, dass hier ein von Alexander Dorm benutztes Make-up den Namen eines der berühmtesten Science-Fiction-Autoren aller Zeiten, Isaac Asimov, trägt. Die Foundation-Trilogy, zwischen 1951 und 1953 erschienen und später um mehrere Fortsetzungen erweitert, erzählt die Geschichte des Mathematikers Hari Seldon, der mittels der von ihm erfundenen psychohistory die Geschicke der Menscheitsgeschichte lenken will. Passend dazu, auf die Frage von Natalie, wozu die Substanz diene, ist Alexander Dorms Antwort: „Zur Grundierung.“ Wikipedia weiß: „Bliss-Symbole sind eine von Charles K. Bliss in ihren Grundzügen in den 1940er Jahren entwickelte…