Tobias Lindemann, geboren 1973, lebt in Nürnberg und ist als Kulturaktivist in den Bereichen Literatur, Film, Radio und Musik aktiv. Unter dem Namen Libroskop bloggt er seit 2013 über zeitgenössische Literatur.

Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen?

Mit denen, die genau und aufmerksam lesen.

 

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Nicht zu viele und nicht zu wenige. Und ich bin ja Sommerleser, weil ich im Winterhalbjahr so früh müde werde. Mein Lieblingslesetag ist Montag.

 

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Was sind die Voraussetzungen, die ein Buch mitbringen muss?

Es muss schon ein Bezugssystem mit Zitaten/Einflüssen, das dem Text zu Grunde liegt, oder eine inhaltliche Fülle vorhanden sein, die den Austausch anstacheln kann. Also eher Bücher unter Tags wie „Popliteratur“, „Postmoderne“, „poststrukturalistisch“. Tatsächlich fände ich Thomas Meinecke, Jonathan Lethem, Rolf Dieter Brinkmann oder Dietmar Dath sehr geeignet für Social Reading. Aber vielleicht auch Péter Nádas.

Ich selbst lese sehr viel Belletristik, grundsätzlich ab 1950, meist ab 2010. Die Nachkriegsavantgarde beschäftigt mich immer noch, die Gegenwartsliteratur ist mir oft zu bieder. Ich lese nur auf Papier, aus Faulheit.

 

Mit wem reden Sie sonst über das, was Sie lesen? Wann und wie oft und in welcher Form?

Bloggen ist für mich auch der Ersatz für den persönlichen Austausch, da ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis mit dem, was ich lese (und wieviel ich lese) manchmal zu überfordern scheine*. Seitdem ich blogge, habe ich die Ansprüche an mein privates Umfeld zurückgefahren und die Beziehungen haben sich entspannt.

Als weiteren Ersatz habe ich mit anderen Blogger_innen den Blog „let’s talk about books“ gegründet. Virtuelle Gespräche unter https://letstalkaboutbooks.wordpress.com

 

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Um Shumona Sinhas Roman „Erschlagt die Armen“ und ob man so wie die Autorin über Asylpolitik und Flüchtlinge schreiben kann. Im „let’s talk“-Blog um Kristine Bilkaus „Die Glücklichen“, leider ein sehr ödes Buch.

 

Lesen Sie mit dem Stift in der Hand, haben Sie Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twittern Sie gleich, was Ihnen bei der Lektüre einfällt?

Lesezeichen und Notizbuch. Ich bin sehr twitterfaul, wenn, dann kommt das meist in Schüben.

 

Was nervt Sie in Ihrem Lesezirkel, Buchkreis, Ihrer Social-Reading-Gruppe am meisten?

Ein Buchkreis kam nie zustande (siehe oben*), gerne wäre ich von dem, was dort passiert, genervt.

Bei „let’s talk about books“ nervte bisher nur die Lektüre.

 

Lesen Sie die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer?

Selbstverständlich.

Warum wollten Sie Clemens Setz lesen?

Weil ich spüre, dass seine Texten anders auf mich als Lesenden einwirken. „Indigo“ hat mich fast in den Wahnsinn getrieben mit diesen Dialogen, in denen nur angedeutet, kaum etwas ausgesprochen wird. Ich bin gespannt, ob „Die Stunde…“ ähnliches (ähnlich intensives) bei mir auslöst.

Sie haben drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

1. Möglichst wenig literaturkritisches Ego-Shooting.

2. Zwinge mich nicht, sobooks zu nutzen. Ich werde mich früh genug damit beschäftigen.

3. Genügend Kekse und koffeinhaltige Getränke.