Ich bleibe immer wieder an dem Thema Einsamkeit hängen. Natalie erscheint mir als zutiefst einsame Person. Nicht aufgrund fehlender sozialer Kontakt, sondern weil sie wie abgeschnitten von der Welt zu sein scheint. Deshalb die Live-Sendungen und alles Weltüberspannende, das sie mag. Deshalb auch die unverbindlichen Sexualkontakte an den Abenden, an denen sie streunen geht. Und da bestätigt Fromm, wie ich finde, mein Gefühl:

„Das Bewusstsein der menschlichen Getrenntheit ohne die Wiedervereinigung durch die Liebe ist die Quelle der Scham. Und es gleichzeitig die Quelle von Schuldgefühl und Angst.“ (Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, S.19)

Ich denke, es lässt sich wohl behaupten, dass es in Natalies Leben keine wirklich von Liebe geprägte Beziehung zu einem anderen Menschen gibt. Zumindest erfahren wir nichts davon. Keine Liebe – keine Wiedervereinigung – folglich Isolation. Ausweg: Dinge, die ihr das Gefühl geben, an der Welt teilzuhaben und die vermeintliche Vereinigung beim Oralverkehr.

Der sexuelle Akt „wird zum verzweifelten Versuch, der durch das Abgetrenntsein erzeugten Angst zu entrinnen, und führt zu einem ständig wachsenden Gefühl des Abgetrenntseins, da der ohne Liebe vollzogene Sexualakt höchstens für den Augenblick die Kluft zwischen zwei menschlichen Wesen überbrücken kann“ (ebd. S. 22).

Und dieses Gefühl konserviert sie in den Mitschnitten, die sie mit ihrem iPhone macht.