Sophie Weigand, 26, ist ausgebildete Buchhändlerin und Studentin der Kulturwissenschaften. Seit 2011 betreibt sie den Literaturblog Literaturen, seit 2013 ist sie Mitglied bei We Read Indie, dem Bloggerzusammenschluss zur Unterstützung kleiner und unabhängiger Verlage. Sie lebt in Lübeck.

 

Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen?

Saša Stanišić. Michael Weins. Mercedes Lauenstein. Valerie Fritsch. Dana Buchzik (das wird mir ja gerade erfüllt!).

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Mit einer noch überschaubaren Zahl von Menschen – also vielleicht keine Hundertschaften. Darüber hinaus gibts keine Präferenzen hinsichtlich Zeitpunkt und Wetter.

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Am besten Bücher, die etwas Diskussionswürdiges bieten, durch eine besondere Art der Beschreibung oder ein spezielles, vielleicht besonders aktuelles Thema. Mit Büchern eben, die sich etwas trauen, etwas wagen mit ihrer Konzeption.

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Vermutlich ist es mit fast allem möglich, sieht man mal von Lexika und Telefonbüchern ab. Ich hätte persönlich aber nicht das Interesse, über alles zu diskutieren. Wahrscheinlich wird es auch schwierig mit Büchern, die der bloßen humorigen Unterhaltung dienen, ,Social Reading‘ mit „SMS von gestern Nacht“ stelle ich mir jetzt nur bedingt spannend vor.

Was sind die Voraussetzungen, die ein Buch mitbringen muss?

Eigentlich ist meine Antwort auf „Welche Bücher, welche Art von Büchern“ bereits eine Antwort auf diese Frage. Diskutieren kann man ja auch über Frauenklischees in der Chick Lit – ich möchte aber mehr über eine eindrückliche Sprache, eine besondere Stimmung, die Machart  eines Buches oder seine impliziten Themen diskutieren. Insofern sollte das Buch schon mehrere Ebenen haben, auf denen es funktioniert.

Mit wem reden Sie sonst über das, was Sie lesen? Wann und wie oft und in welcher Form?

Ich rede mit Kollegen in den Buchhandlungen, in denen ich arbeite. Ich rede online darüber, bei Facebook, Twitter, auf meinem Blog. Ich rede mit Freunden und Verwandten. Mit Kunden. Täglich.

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Um Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“.

Lesen Sie mit dem Stift in der Hand, haben Sie Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twittern Sie gleich, was Ihnen bei der Lektüre einfällt?

Ich lese mit Post-Its und Bleistift. Wenn gerade beides nicht vorhanden ist, kommt es auch mal zu Eselsohren. Wenn ich von einem Zitat besonders angetan bin, wird es auch in Sozialen Netzwerken geteilt. In dem Moment bin ich dann einfach so begeistert über einen Satz, dass ich diese Begeisterung irgendwo lassen muss. Etwas tiefgreifendere Gedanken bewahre ich aber auf, mache Stichpunkte und betrachte sie dann später noch genauer.

Was nervt Sie in Ihrem Lesezirkel, Buchkreis, Ihrer Social-Reading-Gruppe am meisten?

Ich bin gerade aus einem analogen Lesekreis ausgetreten. Aber da nervte mich nichts Inhaltliches. Insofern kann ich das nicht beantworten, hier jedenfalls nervt mich bislang nichts.

Lesen Sie die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer? 

Ja. Sonst könnte ich auch allein für mich lesen und darüber bloggen. Das gehört schon zum Konzept. Bisher habe ich mich allerdings auf sobooks noch nicht so richtig einfinden können, zugegebenermaßen.

Warum wollten Sie Clemens Setz lesen?

Weil ich vor einigen Jahren „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ gelesen habe und nicht so begeistert war. Ich verschaffe mir aber gern mehrere Eindrücke – und in diesem konkreten Fall hier bin ich sehr froh darüber, dass ich das so mache.

Sie haben drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

  1. Mehr Interaktion auch untereinander auf dem Blog
  2. Bessere Verbreitung der Beiträge auch auf der FB-Seite zum Blog
  3. ?

Welche Fragen hätten hier noch gestellt werden sollen?

„Ist das die erste Social Reading Erfahrung?“