Jörg Plath, geboren 1960, studierte nach einer Ausbildung zum Buchhändler Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte und Politik in Freiburg, Wien und Berlin. 1993 promovierte er über Franz Hessel, war freier Lektor, Ghostwriter, Literaturredakteur und arbeitet als Kritiker für überregionale Medien wie die „Neue Zürcher Zeitung“ und „Deutschlandfunk“. Er ist Literaturredakteur von „Deutschlandradio Kultur“.

Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen?

Bisher war da immer ein Kopf im Weg, weshalb er mir schon gut bekannt, ja lieb sein sollte. Das ist jetzt ja sicher anders, was die Ansprüche weniger persönlich und unbestimmter werden lässt. Ein Anspruch aber bleibt: Vielleser bevorzugt.

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Gern mit vielen Viellesern jederzeit. Das Vergnügen habe ich als Kritiker allerdings fast nur in Jurys. Die Freunde lesen erst später die Bücher der Saison oder gar noch ältere.

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Belletristik und schwierige, theoretische Werke.

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Mit all den fraglosen, umstandslos verständlich sein wollenden Büchern – wozu sich über Dosenkost verständigen, wenn das Etikett bereits alles sagt?

Was sind die Voraussetzungen, die ein Buch mitbringen muss?

Es muss durch irgendetwas fesseln, interessieren, betreffen, aufregen, hineinziehen. Meist ist es ein (Erzähl-) Ton, eine Annäherungsweise, eine Frage oder viele in eine Richtung. So gut wie nie ein Plot (gibt’s aber auch).

Mit wem reden Sie sonst über das, was Sie lesen? Wann und wie oft und in welcher Form?

Mit allen Menschen um mich herum. Wozu lese ich denn? Und dann gibt es eine Lesegruppe.

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Um Hannah Arendt. Und Setz.

Lesen Sie mit dem Stift in der Hand, haben Sie Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twittern Sie gleich, was Ihnen bei der Lektüre einfällt?

Mit Stift und Zettel, um das im Kopf Geweckte festzuhalten. Oft sind die Notizen allerdings binnen Kurzem unleserlich und geben zu neuerlichen Exegesen Anlass.

Was nervt Sie in Ihrem Lesezirkel, Buchkreis, Ihrer Social-Reading-Gruppe am meisten?

Den Text als Lizenz zum Schwadronieren über die Leser-Gegenwart zu verstehen.

Lesen Sie die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer?

Hier auf der Seite? Habe ich da was missverstanden? Warum benutzen die Macher auch den englischen Ausdruck! Sollte es sich um ein Asocial Reading handeln?

Warum wollten Sie Clemens Setz lesen?

Seine Erzählungen haben mich mit ihrem Gewalt-Fetischismus genervt, waren aber klug konstruiert.

Sie haben drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

1. Nicht zu viele Kommentare, der Setz hat mehr als 1000 Seiten!

2. Möglichst viele Kommentare, um Sinn oder Unsinn des Social Reading zu erweisen.

3. Zeig mir ein oder zwei wunderbare Leser.

Welche Fragen hätten hier noch gestellt werden sollen?

Um Gottes willen, es reicht. Genug Lese- und Kommentarzeit verschenkt!