Was macht das Konfettistück auf seinem Schuh? Metallic violett. Natalie sieht es bei Hollberg, auf seinem Schuh, im Bart. Eine Party. Und er hinkt. Dorm bückt sich nach Hollbergs Fuß, voller Hingabe, vor ihm glitzern tausend Scherben einer unendlich wertvollen Vase. Das Behältnis Hollberg. Ein Glitzern, das woanders hinzeigt, nach außen, auf dem Fuß, den er, wie er sagt, sich verstaucht hat. Es hindert ihn nicht, Dorm wieder am Nacken zu packen, wie einen Gefangenen, einen Delinquenten, eine nasse Katze. Diese Griffe in den Nacken wiederholen sich im Verlauf des Romans. Eine „Art Abhärtung“ könnte das sein, so scheint es Natalie. Wogegen härtet das ab? Wer härtet sich hier gegen was oder wen ab? Hollbergs Abhärtung gegen Nähe, gegen die Berührung des Mannes, der für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Dorm kann offenbar nicht abgehärtet werden. Zumindest ist eine Flanke bei ihm vollständig offen und kann sich ebenso wenig wehren wie an sich halten, sich nicht zu entblößen. Gegen diese als Symptomatik gedämpfte, eingezäunte Blöße platziert Hollberg Gesten der Abhärtung. Natürlich denkt Natalie auch an Rache. Aber was für eine Rache kann das sein, die in einem Nackengriff besteht? Eine fortgesetzte, unendliche Rache, die den Rächer nie mit Befriedigung erfüllen wird.

Die Rache, die still steht, dauert endlos an, kommt aber auch nicht an ihr Ziel. Was voraussetzen würde, dass Rache überhaupt so etwas wie Erfüllung sucht. Es kommt nur auf den Moment an. Auf einen Moment, der alles enthält, der eigentlich ewig dauert. Der Griff stellt alles still, mindestens aber verlangsamt er alles, jedenfalls kann Natalie es so wahrnehmen. Ein Loop, in dem alles überdeutlich wird und verloren ist. Und Natalie weiß nur halb, ob das, was sie wahrnimmt, überhaupt einen Bezug zum tatsächlichen Geschehen hat, ob es so etwas wie Objektivität berührt.

Denn dann geht es die Tiefsee.

 

(Fortsetzung folgt)