PD. Dr. phil, Studium der Neueren Deutschen Literatur, Neueren Geschichte sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU). 2004 Promotion an der FU mit einer Studie über Arno Schmidt und Thomas Bernhard (erschienen 2006 bei Stroemfeld). Seit 2005 Redaktionsleiter der Zeitschrift literaturkritik.de. 2012 Habilitation und Privatdozentur an der Philipps-Universität Marburg; wissenschaftlicher Mitarbeiter in Jörg Dörings DFG-Projekt „Die Adlon Tapes: Zur Textgenese von Tristesse Royale“ sowie Gastwissenschaftler im Graduiertenkolleg „Generationengeschichte“ an der Georg-Ausgust-Universität Göttingen (Sommersemester 2012). Vertretungsprofessuren in Marburg (2009/2010) und an der Universität Siegen (2013/2014). Seit September 2015 DAAD Associate Professor of German Studies an der University of Calgary, Alberta, Kanada. Letzte Buchpublikationen: Im Angesicht der Grausamkeit. Emotionale Effekte literarischer und audiovisueller Kriegsdarstellungen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, 2013 sowie als Herausgeber: Familiengefühle. Generationengeschichte und NS-Erinnerung in den Medien, 2014.

Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen?

Hauptsache, nicht mit einer Knalltüte wie Roger Willemsen. Ich ziehe meine Studierenden vor.

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Ob es drei oder hundert sind, das ist egal. Und der Rest sowieso: Literatur hebt Kategorien wie Tageszeiten, Wochentage und Jahreszeiten ja gerade auf. Von daher ist die Frage sinnlos.

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Alle Arten von Büchern. Nur keine über Mathematik, bitte.

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Selbst mit einem Mathematikbuch wäre das wohl möglich. Nur nicht für mich.

Was sind die Voraussetzungen, die ein Buch mitbringen muss?

Es sollte nichts mit Mathematik zu tun haben. Arno Schmidt ist hier eine Ausnahme. Er hat diese Wissenschaft zwar sehr ernst genommen, aber gerade dadurch sind seine Bücher zu denen eines Lachphilosophen geworden.

Mit wem reden Sie sonst über das, was Sie lesen? Wann und wie oft und in welcher Form?

Naturgemäß rede und korrespondiere ich mit allen Menschen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind, permanent über nichts anderes. Schließlich bin ich Literaturwissenschaftler. 

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Unter anderem um Ruth Klüger.

Lesen Sie mit dem Stift in der Hand, haben Sie Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twittern Sie gleich, was Ihnen bei der Lektüre einfällt?

Ich twittere nicht. Ich habe auch keine Facebook-Seite. Würde ich damit jetzt auch noch anfangen, dann gute Nacht. Lesen und Schreiben sind schließlich kaum zu trennen, wenn man meinen Beruf ausübt: Allein schon für die Lehre muss man ständig Notizen machen, um das Gelesene für sich selbst zu sichten, zu ordnen und zu kanalisieren. Vor allem aber, um es im Seminar didaktisch anwenden zu können. Keinen einzigen Text liest man mehr einfach so: Alles wird sofort analysiert, auseinandergenommen, mit den eigenen Interessen korreliert, kritisiert und probeweise aus verschiedensten Perspektiven betrachtet. Nur so kann man übrigens auch Kritiker und Rezensent sein: Wer nur staunt und alles toll findet, ohne zu versuchen, die Kulissen beiseite zu räumen, die dem Leser das nahelegen, der sollte sich einen anderen Beruf suchen.

Was nervt Sie in Ihrem Lesezirkel, Buchkreis, Ihrer Social-Reading-Gruppe am meisten?

Zunächst einmal nervt daran gar nichts – denn es ist ja das Ideal. Allerdings nur, solange zumindest der eine oder andere in solchen Zirkeln nicht aufhört, kritische Fragen zu stellen.

Lesen Sie die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer?

Selbstverständlich. Sonst wäre es ja kein „Social-Reading“.

Warum wollten Sie Clemens Setz lesen?

Weil ich noch nie ein Buch von ihm gelesen habe. 

Sie haben drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

1.

Die Beteiligten mögen bitte nicht nur nett zueinander sein.

2.

Bloß nicht alles immer nur toll finden. Und schon gar nicht gemeinsam euphorisch sein!

3.

Solange bei Sobooks keine übersichtliche Seite mit allen Kommentaren nur zu unserem Thema abrufbar ist, hat dieser Zweig des Projekts keinen Sinn – bitte nachbessern!

Welche Fragen hätten hier noch gestellt werden sollen?

„Glauben Sie, dass Social Reading nichts weiter ist als der verlängerte Arm der Verlagswerbung?“