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Das Bild stammt aus La Coruña, galizische Küste in Spanien, es ist Jahre her, daß ich dort tauchen war mit den Angestellten eines Algenverschickers, aber nun kommt es mir mit einem Mal so vor, als ob es dieses Buch damals schon gegeben haben könnte.
Dabei war das bloß ich (den es damals schon gab).
Ich habe so etwas tatsächlich (oder wirklich) nur ein paar Mal gehabt (und das ist vermutlich der Grund, weswegen ich weiterhin Bücher kaufe und durchlese): daß ich beim Lesen dieses Gefühl eines inneren Nickens bekomme, das mir einen wohltuenden Gänseschauer entlang des Rückenmarks schickt. Bei den Rules of Attraction war das so, bei der Geschichte des Auges, bei der Suche nach der Verlorenen Zeit, beim Mann im Jasmin. Dazu muß ich vermutlich erklären, daß ich die letzten zwei Jahre im Kopf einer Frau verbracht habe. Es war einfach so, daß ich nach Untitled noch weiter meine Zeit mit Julia Speer verbringen wollte, und da ergab sich ein Anfang für eine Geschichte, die wurde länger und länger und es ist ja dieser einzige Luxus, den wir Schreibende haben, daß wir es uns aussuchen können, mit wem wir intim werden wollen. Jedenfalls war es dann so, daß ich schon auf der ersten Seite von Die Stunde zwischen etc fühlte, daß hier etwas Gespenstisches geschehen war. CJS und ich sind uns niemals begegnet. Und ich finde es ja bis dato kurios, daß man von von teilweise wildfremden Menschen angesprochen wird, auf angebliche Bekanntschaften angesprochen wird, dabei kennen sich doch Zahnärzte auch nicht selbstverständlich, bloß, weil sie Zahnärzte sind. Ich habe dann eine Woche (die zurückliegende, (s. log)) mit nichts anderem verbracht, als mit dem Buch. Eigentlich also mit Natalie. Und es war wunderschön und niederschmetternd zugleich. Wunderschön, weil CJS einfach um so vieles besser schreiben kann als ich; niederschmetternd, weil ich hinsichtlich meines Projektes mit Julia Speer darauf gestossen wurde, daß es scheinbar doch Grenzen der Einfühlung gibt – Ohrwürmer, Streunen, Essgeräusche, die Art und Weise, wie Natalie mit sich selbst spricht: all dies, ohne CJS hier zu Nahe treten zu wollen, hatte ich auf eine vergleichbare Weise angelegt und formuliert.
Was macht man da?
Man streckt die Waffen.
Wirft hin.
Löscht die Datei. Und tröstet sich angesichts der vergangenen Zeit mit diesem Buch. Und nicht bloß trösten, ich habe mich davon ernährt.
Auf den letzten hundert Seiten war es so, daß ich mir absichtlich Pausen eingebaut habe, langsamer gelesen als üblich, Ablenkungen willkommen geheißen habe, um bloß nicht, ja nicht!, ans Ende zu gelangen.
Wie oft gibt es das, wann hat man das schon?
Ich kann mit einiger Erfahrung sagen: Nicht oft. Angesichts meiner Lebenszeit sogar: Nie wieder.