Dana Buchzik hat Kreatives Schreiben, Kulturjournalismus und Philosophie an der Universität Hildesheim studiert und arbeitet als Journalistin für FAZ, SPON, SZ, taz, WDR, WELT & ZEIT. Ihre Antworten sind die ersten in einer losen Folge von Kurzinterviews mit den Teilnehmern des betreuten Lesens.

Mit wem würdest Du gerne ein Buch zusammen lesen?

Roger Willemsen.

Mit wie vielen? Wann, zu welchen Tageszeiten, Wochentagen, Jahreszeiten?

Am liebsten möchte ich mit Menschen lesen, von denen ich lernen kann, deren Kommentare und Gedanken mir Bereicherung sind. Dann sind auch Zeit und Wetter egal.

Was für ein Buch, welche Bücher, welche Art von Büchern?

Es gibt nur ein Ausschlusskriterium, und das mag pathetisch bis bockig klingen/sein – aber Bücher, die mich seit vielen Jahren begleiten, die mir heilig sind, würde ich mit niemandem teilen, weder den Text noch meine Gedanken dazu; auch von Leseerfahrungen selbst der allernächsten Menschen würde ich nichts wissen wollen. Das ist mein ganz eigener literarischer Raum; dort will und muss ich allein sein.

Mit welchem Buch wäre so etwas wie Social Reading nicht möglich – und warum?

Ich glaube, dass Social Reading grundsätzlich mit jedem Buch möglich ist; die Frage ist eher, mit welchen Lesern es nicht möglich sein wird, im Sinne von: welche Leser die Einsamkeit vorziehen werden.

Mit wem redest Du sonst über das, was Du liest? Wann und wie oft und in welcher Form?

Meinen Freunden dränge ich Büchergespräche recht unverblümt auf. Wenn mich ein Buch begeistert, zitiere ich unermüdlich, preise und lobe und behaupte, dass auch der/die Freund/in es zwingend kaufen müsse. Wenn ich beruflich ein Buch lese, das ich schrecklich finde, aber aufgrund des Rezensionsauftrags nicht abbrechen kann, wird mein Umfeld genauso behelligt: Ich lese die schlimmsten Stellen vor und halte zornschnaubende, rumpelstilzchenartige Impulsreferate.

Worum ging es zuletzt in solch einem Bücher-Gespräch?

Zuletzt saß ich bei Freund C. und wetterte mit ihm über diesjährige Shortlistbücher. Über die so typisch deutsch schmeckenden Wohlstandsmelancholien der Protagonistengeneration Ü40. Über selbstgefällige Ich-Erzähler und über Autoren, die sich dem Erzählen und ja, auch dem Unterhalten verweigern und dafür gefeiert und bepreist werden.

Liest Du mit dem Stift in der Hand, hast Du Zettel, Lesezeichen, Eselsohren? Twitterst Du gleich, was Dir bei der Lektüre einfällt?

Ein Bleistift liegt meistens bereit; Sätze, die mich umhauen, werden markiert. (Manchmal auch getwittert.) Im Zustand der Begeisterung lasse ich mich leider auch verstärkt zu Eselsohren hinreißen.

Was nervt Dich in Deinem Lesezirkel, Buchkreis, Deiner Social-Reading-Gruppe am meisten?

Diese Social-Reading-Gruppe ist meine erste, und bisher bin ich von den Blogeinträgen sehr angetan, weil sich hier wirklich heterogene und spannende Lesarten auffächern und unterschiedlichste Schwerpunkte abgedeckt werden. Bei den Kommentaren geht es mir manchmal etwas bemüht feuilletonistisch zu, etwa wenn Sätzen wie „Sie brachte oft, unaufgefordert, Kekse und Milchschnitten mit“ rätselhafte Schönheit zugeschrieben wird. Wenn Social Reading für mich einen Anreiz hat, dann, dass es gerade nicht literaturkritisch zugehen muss, dass niemand überzuckerte Sätze baut, die nur zu gern Teil der Verlagspresseschau werden möchten, sondern dass man ganz Staunender sein kann, unverstellt und andächtig seine Begeisterung teilen kann, so wie z.B. Victor es tut: „Ein Kapitel wie eine Lichtung im Märchenwald. Die Lichtung der unsichtbaren Tiere. Hier möchte ich bleiben. Hierhin möchte ich immer wieder zurückkommen.“ Gemeinsam euphorisch sein, das ist für mich der Mehrwert, den Social Reading bietet. Man mag ja nicht einfach den gleichen Satz. Man staunt gemeinsam. Und man lernt zu verstehen, welche Dimensionen dieser Satz für einen anderen hat.

Warum wolltest Du Clemens Setz lesen?

Für mich ist Clemens Setz ein einziger literarischer Lichtblick, auch und gerade im jungen deutschsprachigen Bereich.

Du hast drei Wünsche an den Social-Reading-Flaschengeist frei:

  1. Dass man jeweils nur einen Satz markieren und zitieren kann, erscheint mir unflexibel. Manchmal geht es nur um ein einziges Wort (zumal bei Setz!), manchmal braucht es zwei oder drei Sätze.
  2. Auch Kommentare anderer sollten getwittert werden können.
  3. (Dritter Wunsch tut sich bestimmt noch auf und wird ggf. nachgereicht.)

Welche Fragen hätten hier noch gestellt werden sollen?

„Werden Sie Social Reading Ihren Freunden empfehlen?“ 😉