Wie absurd das ist, hier zu schreiben als jemand, der fest an eine holzfreie Zukunft des Lesens glaubt und gleichzeitig das digitale (Genuss-)Lesen immer vermieden hat. Zu besprechende Bücher, Arbeitsbücher also lese ich auf dem Bildschirm – jedenfalls die, die ich nicht leiden kann. Aber was mir nah geht, dem will ich auch nah sein (oder mir Nähe wenigstens erfolgreich einreden können). Was man liebt, will man anfassen.
Die ersten Seiten heute morgen in alter Routine auf Papier gelesen, mit Bleistift an den Rand gekritzelt: Ideen, Wortspiele, kleine Freudenausbrüche – und dann fiel mir ein, dass das jetzt nicht drin ist. Dass ich mich entschieden habe, meine Leseeindrücke herzuzeigen, einzuspeisen in einen Kommentarschwarm, so stelle ich es mir vor, ein polyphones Summen und Raunen: eine erste Vorstellung davon, was tatsächlich da draußen jeden Tag passiert, in der Welt.
„Was würde geschehen, wenn alle Menschen gleichzeitig wach wären, nur für eine Sekunde?“ steht auf dem Buchrücken. Was, wenn alle gleichzeitig Setz lesen würden? Eine Sekunde lang, einen Bruchteil von Sätzen wie „Welten, die so klein waren, dass Hunderte von ihnen zwischen ein paar abendliche Baumäste passten.“ Ein weltumspannender Buchclub: Das wäre Social Reading.