Rinjehaun!

Mir gefällt, wie sich Dana Buchzik verabschiedet. Vermutlich gefällt es mir auch, weil sie das Soziale im Social Reading ernst nimmt und den Mitlesern ein Farewell! zuruft, so, wie man sich aus der Umkleidekabine von Mitschwitzern im Sport oder in der Kneipe von Mittrinkern in einem anderen Sport verabschiedet. Ich möchte daher auch ein Farewell! in die Runde rufen. Und wie Dana Buchzik für mich konstatieren, dass das betreute Lesen so seine Tücken hat. Ich habe etwa gestaunt, wie viel Kraft und Energie manche Leser auf Nachweise verwendeten – die Listen von Zitaten, Musikstücken und anderen Realien sind mit Akribie…

Pulling the trigger

Letzte Teamsitzung. Ich greif mir die Eistüte und sage: Die vielen Kanäle haben uns ausgeknockt, baby. Sobooks, Twitter, Blog, Facebook – jeder lässt irgendwo ein paar Sätze fallen, manchmal keimt Diskussioniges auf, aber am Ende fühlt es sich doch eher nach Einzelmission an, nach sozialem Leseirrgarten, wo Begegnung Seltenheit ist. Ich fass mir da gern an die eigene Nase: Wer das Buch entgegen aller guten Vorsätze zuerst in einsamer Stube durchstaunt, um im Nachklapp dann ausgewählte Kommentare in die Sobooks-Flure hineinzurufen, ist nicht gerade Vorzeigekind unter Social Readern. Social Reading, wie ich es mir vorstelle: Sich von anderen an großartige Stellen im…

Being Natalie Reinegger

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Natalie Reinegger, 21, Pflegerin, Heldin der Stunde zwischen Frau und Gitarre, meistert ihren Alltag mit ebenso originellen wie grenzwertigen Strategien. Ihre gesammelten Tipps und Tricks taugen für einen poetischen Lebensratgeber. Für alle, die sich zu sehr nach Normalität sehnen. Natalie Reinegger – als tägliche Gymnastik zum Nachmachen für Zuhause. Bitteschön.

Der Clemens-Setz-Referenzencheck (3)

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Endlich Cat Content! Teil 3 des Referenzchecks, diesmal von Seite 300 bis Seite 600 der Druckausgabe. Und immer weiter… Hier ist sich Clemens J. Setz nicht zu fein dafür, einfach mal (in Worten freilich) ein Cat-Content-Meme zu platzieren, das in zahllosen Varianten im Internet kursiert. Und die Katze sprach: Terence McKenna schwirrt seit einigen Jahren im popliterarischen Referenzfeld herum. Tao Lin hat ihn zuletzt auf der Netzkultur-Konferenz in Berlin in einem Vortrag zitiert, der in hohem Maße von dessen „stoned-ape theory“ beeinflusst war und anschließend von der Webseite dazeddigital.com als „confusing“ und „is-it-an-act/is-it-genuine post-ironic deadpan“ beschrieben wurde: Zum Weiterlesen (auf eigene Gefahr) hier die…

Der Nonseq-Nachsommer

Scheinbar sinnlos früh aufgewacht an diesem Samstagmorgen, im Bett tastend zum Buch gegriffen und „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ endlich zu Ende gelesen. Ich bin danach mit einem seltsamen Gefühlsgemisch zwischen Melancholie, dumpfer Angst und Beklemmung aufgestanden. Derartige, so schwer zu beschreibende Stimmungen erzeugen nur gute Romane. Es hat allerdings viele Wochen gedauert, bis ich an diesem heutigen Endpunkt der Lektüre angekommen bin. Es gab viele Pausen. Aber der Roman hat mich dann doch nicht mehr losgelassen. An irgendeiner Stelle in der Mitte des Textes war ich zunächst steckengeblieben. Das hätte das Ende sein können: Die fast tägliche Lehre…

Silberschnitt mit Links: Jan Drees

Jan Drees, geboren 1979, berichtet für Radio (Bayern 2, Deutschlandradio Kultur), Zeitungen (Der Freitag), Magazine (Rolling Stone) über Literatur und Gesellschaft. Er verantwortet den Blog Lesen mit Links. Zu den zahlreichen Veröffentlichungen zählen zwei Romane („Letzte Tage, jetzt“, „Staring at the Sun“ bei Eichborn) und „Kassettendeck – Soundtrack einer Generation“ (Eichborn), sowie „Rainald Goetz – Irre als System“ (Arco). Er ist Stipendiat der „Graduate School Practices of Literature in Münster“ und nutzt seine Nächte für die Arbeit an einer systemtheoretischen Dissertation über den Novellenautor Hartmut Lange. Im Herbst 2015 erscheinen seine Erzählungen „Klagenfurt“ (Literatur Quickie) und „Lanzarote“ (Sukkultur) und der…

Das Kind

(license)

Jan Drees und Guido Graf Kinder wie Bäume, wie kleine Bäume, also Bonsais (das sind natürlich keine „Kinder“, also keine Baumkinder, sie sind nur kleiner als andere Bäume; aber eben so wie die einstige Vorstellung vom Homunculus auch ein Menschen- oder Kinderbild bei Clemens Setz sein könnte), die mit Menschen und anderen Pflanzen kommunizieren können: Was ist das für ein Unterfangen? Ich krümme mich zurück in die selbstgebastelte Welt? Die Pflanzen sollen (sollen! Tatsächlich SIND sie es natürlich nie) lebendiger erscheinen, so der japanische Forscher Furi Sawaki. Das weht heran, unwillkürlich scheinbar. Und ist doch zugleich immer schon da, weil…

Autorenstalking. Gespräch über Literatur und Schreiben Teil 3

KW: Sie schreiben doch auch an einem Essayband. CS: Ja, ich habe zumindest viele Essays geschrieben. Das Schönste ist, wenn man über Dinge schreibt, von denen man verzaubert ist, die aber nur wenige Leute kennen. Ich habe eine Idee für einen Essayband, der ein übergreifendes Thema hat. Mein Thema wären Zeitkapseln, Dinge, die verbuddelt und wieder ausgegraben werden, Räume, die versiegelt werden. Viele meiner Essays haben so eine Zeitkapseldimension. Es sind eigentlich kaum welche veröffentlicht. Im Internet gibt’s Zeitkapseln und verschiedene Projekte dazu. Meine Lieblingsautoren haben häufig etwas Essayistisches oder sind selbst große Essayisten. Oder manche Autoren schreiben nur einmal…

Anziehen, fesseln, aufstoßen: Jochen Kienbaum

Jochen Kienbaum, geboren 1962, Studium der Theaterwissenschaften, der Neueren Deutsche Literaturwissenschaften und der Kunstgeschichte in Erlangen, während des Studiums »Pionierarbeit« im Privaten Rundfunk Bayerns, seit 1990 tätig als TV-Newsreporter in Berlin, Leipzig und London, seit 1994 Reporter und Nachrichtenredakteur bei der Berliner Abendschau des rbb (vormals SFB). Buchbesessen seit Kindesbeinen, Bücherfresser auf der Borderline zwischen bibliophil & biblioman, betreibt seit vielen Jahren (mit schwankender Regelmäßigkeit und Aktivität) den Literaturblog Lustauflesen.de. Mit wem würden Sie gerne ein Buch zusammen lesen? Mit Marcel Reich-Ranicki, aber das geht ja leider nicht mehr. Denis Scheck wäre eine Alternative, ich mag seine dralle, pralle Art. Keinesfalls…